Zwischen Arktisabenteuer und Eisenmine

Über den Jahreswechsel machten sich einige Waldläufer:innen auf den Weg in die Arktis. Mit dem Zug ging es nach Nordschweden. Im Gepäck waren nicht nur Kleidung und Ausrüstung, sondern auch viele Fragen über die Auswirkungen des Klimawandels in der Arktis, den Konflikt zwischen ökonomischer Entwicklung und Zerstörung der Umwelt oder welche Rolle Deutschland dabei als Importeur von Rohstoffen aus den Arktis-Anrainerstaaten spielt.

Rohstoffhunger vs. Natur

Die Mine in Kiruna gilt als die größte der Welt. Hier wird in 1365 Meter Tiefe täglich eine Menge an Eisenerz abgebaut, die sechsmal dem Eifelturm entspricht. Die Erzbahn, die das abgebaute Material von Kiruna zum nächsten Hafen transportiert, ist ein fester Bestandteil des Landschaftsbildes. Aber der Preis ist hoch:

Durch die bereits bestehenden Bergschäden und für die im Juni 2010 beschlossene Erweiterung des Abbaus, muss ein ganzer Stadtteil abgerissen werden. Dieser wird einige Kilometer weiter östlich einfach wieder aufgebaut. Die für den Ausbau weichende Natur kann jedoch nicht so einfach umsiedeln. Sie bleibt zerstört – in der Landschaft bleibt eine weithin sichtbare Narbe.
Während des Aufenthaltes in Kiruna kamen die Waldläufer:innen in Arbeiterwohnungen unter. Dort begegneten sie den meist gleichaltrigen jungen Männern, die in der Grube arbeiten. Sie gehören zu den bestverdienenden jungen Leuten in ganz Schweden und verdienen fast doppelt so viel wie im Landesdurchschnitt. Schwere Arbeit für einen fairen Lohn und Sicherheit.

Klimawandel lässt grüßen

Was für erhebliche Eingriffe der Mensch auf die Natur getätigt hat, erleben die Teilnehmenden in Abisko. Dieser Ort ist bekannt für seine Polarlichter. Aber er ist auch bekannt für genau dokumentierte Klimafolgen, etwa die Eisdicke des Torneträsk-Sees oder die Veränderung der Baumgrenze. Dieses Jahr ist der See gefroren, im Winter 2017/18 war er es das erste Mal seit Menschengedenken nicht. Die Landschaft sieht in den Vorstellungen der meisten karg und trostlos aus, stattdessen wirkt sie kraftvoll und unberührt. Auch hier rattern die mit Eisenerz beladenen Züge unaufhörlich vorbei. Viele der hier lebenden Menschen kamen nur wegen des Erzes hierher – und hinterließen ihre Spuren.

Es ist noch nicht zu spät.

Die Reise hat deutlich gemacht, dass es in der Verantwortung aller liegt, solch einzigartige Landschaften, wie es sie in der Arktis gibt, zu erhalten. Vieles kann zwar nicht mehr rückgängig gemacht werden, doch trotzdem können wir etwas bewirken, wenn wir endlich ins Handeln kommen.

Die Bildungsreise wurde gefördert durch das Bundesprogramm „Aufholen nach Corona“. 

Kommentare sind geschlossen.